Unter allen Weinen, die ich das Jahr über ansetze, ist Erdbeerwein mit Abstand der beliebteste. Für keinen anderen werde ich so oft gefragt, ob ich nicht eine Flasche über habe, die ich verschenken, verkaufen oder anderweitig abgeben würde. Die Antwort ist eigentlich immer freundliches „nein“, irgendwie mache ich nämlich immer zu wenig, egal welche Menge am Ende dabei herauskommt. Gleichzeitig weise ich aber auch immer gerne darauf hin, dass es wirklich kein Hexenwerk ist, diesen Trunk zuhause nachzumachen. Es braucht nur ein wenig Geduld. Die Kosten pro Flasche belaufen sich bei Verwendung von TK-Erdbeeren auf etwa 2€, bei Eigenernte natürlich deutlich weniger.
Benötigtes Equipment:
- 2 Gefäße mit ca. 5- 8l Fassungsvermögen: Ideal sind Glasballons, lebensmittelechte Kunststoffbehälter oder Edelstahlgefäße.
- 1 Schlauch: Zum Umfüllen des Weins
- 1 langer Rührlöffel aus Plastik oder Edelstahl: Holz sollte vermieden werden, da es schwer zu desinfizieren ist.
- Optionales Equipment:
- Hydrometer/Bierspindel: Zur Messung des Zuckergehalts und zur Abschätzung des Alkoholgehalts.
Zutaten:
- 5l sauberes Trinkwasser
- Etwa 3kg Erdbeeren (Frisch oder aufgetaute TK-Ware)
- 1,5kg weißer Haushaltszucker
- 1-2g Weinhefe – (hier Sorte Fermivin 7016 verwendet)
- Optional:
- 1g Pektinase (Pektinenzym, zerstört die Zellwände im Obst)
- 1g Hefenährsalz (Unterstützt die Hefen bei der Gärung)
- 1g Kaliumsorbat und 1g Natriumdisulfit (Deaktiviert die Hefe, damit nach dem Nachsüßen nichts weitergärt)
- 1g Bentonit (zur Klärung des Weins)
Anleitung:
- Vorbereitung des Obstes:
- Das Obst in einen der Behälter geben.
- Wasser hinzufügen und ggf. Pektinase zugeben.
- Pektinase-Zugabe: Das vorher Wasser auf 40°C bis 50°C erhitzen, dann das Enzym hinzufügen. Bei diesen Temperaturen kann das Pektinenzym die Zellwände im Obst besser brechen und so den Saft freigeben.
- Zuckerzugabe:
- Zucker hineingeben und verrühren, bis er sich vollständig aufgelöst hat.
- Tipp: Mit dem Rezept sollten etwa 13%vol. Alkohol möglich sein. Wer es genau wissen möchte, kann jetzt mit dem Hydrometer den Zuckergehalt messen (unbedingt notieren!), um später den tatsächlichen Alkoholgehalt berechnen zu können (in meiner Charge war das spezifische Gewicht bei 1.112 und nach der Gärung bei 1.010 → ergibt 13,4%).
- Gärung starten:
- Die Mischung auf unter 30°C abkühlen lassen, um die Hefe nicht zu beschädigen.
- Hefe nach Packungsanweisung vorbereiten und (ggf. zusammen mit dem Hefenährsalz) zum Most geben.
- Den Behälter abgedeckt an einem warmen, dunklen Ort stehen lassen. Nach etwa einem Tag sollte die Gärung sichtbar in vollem Gange sein.
- Tägliches Umrühren: Für drei Tage ein- bis zweimal täglich umrühren und dabei die obere Schicht unterheben.
- Umfüllen und Weitergärung:
- Nach weiteren drei Tagen den Wein durch ein Sieb oder Tuch in ein sauberes Gefäß geben, um die groben Stücke rauszufiltern, alternativ mit einer Kelle die Stückchen abschöpfen.
- Das Gefäß mit einem Gärspund verschließen (alternativ einen Gummihandschuh oder Ballon verwenden, in den mit einer Nadel ein winziges Loch gepiekt wurde, so können Gase gut entweichen, ohne dass Obstfliegen oder Außenluft den Weg hinein finden).
- Gären lassen, bis keine Blasen mehr aufsteigen oder der Zuckerwert über 48 Stunden konstant bleibt. Das kann einige Wochen dauern, manchmal Monate.
- Jetzt kann mit dem Hydrometer gemessen werden, um den tatsächlichen Alkoholgehalt zu errechnen – aber nur, wenn vor der Gärung der Zuckergehalt gemessen wurde.
- Klärung und Stabilisierung:
- Den Wein mit Hilfe des Schlauches von der Hefe abziehen, in einen sauberen Behälter hinein.
- Klärung: Bentonit oder Gelatine kann zur Klärung hinzugefügt werden (danach muss erneut vom Bodensatz abgezogen werden). Bei der Verwendung die Packungsanleitung beachten.
- Stabilisieren und Nachsüßen: Wenn Nachsüßen erwünscht ist, den Wein vorher mit Kaliumsorbat und Natriumdisulfit stabilisieren. Das verhindert eine erneute Gärung im Wein.
Zusätzliche Hinweise:
- Hygiene: Achte auf gründliche Reinigung und Desinfektion aller Geräte, um Infektionen zu vermeiden.
- Geduld: Wein braucht oft Zeit, um zu reifen. Manchmal muss man ihn nach der Gärung noch einige Wochen bis Monate ruhen lassen, um das Aroma zu verbessern. Erdbeerwein schmeckt hingegen jung am frischesten.